Die Papierrevolution: Wie sich das Blatt der Branche wendet

Outi Kukkamaki Outi Kukkamaki Industry Segment Manager

„Wenn ich erzähle, dass ich in der Papierindustrie arbeite, sagen alle: 'Das ist doch eine aussterbende Branche!' Ich sage dann: 'Ach, wirklich?' Vielleicht streben Sie das papierlose Büro an und lesen auch Ihre Zeitung online. Dennoch verwenden Sie jeden Tag eine Menge Papier. Denken Sie nur an Taschentücher, den Kaffeebecher zum Mitnehmen oder das Paket Ihrer Onlinebestellung.“

Outi Kukkamaki, Industry Segment Manager für Papier bei Habasit, stellt sich den Veränderungen in ihrem Bereich ganz entschlossen. Nach fast zwanzig Jahren in der Branche ist sie eine der ersten, die zugibt, dass sich unsere Welt durch die Digitalisierung verändert. Doch trotz des Rückgangs gedruckter Medien sieht Outi Kukkamaki für Papier einen boomenden Markt und eine verheißungsvolle Zukunft.

Weit mehr als das gedruckte Wort

1981 gab es für die königliche Hochzeit von Prinzessin Diana eine so starke Nachfrage nach Zeitschriften, dass in Europa das Papier ausging. 1998 war dies erneut der Fall, als Frankreich die Fußballweltmeisterschaft gewann.

Auch wenn die Menschen heute weniger auf das gedruckte Wort angewiesen sind, nimmt die Nachfrage nach Papier keineswegs ab. Die Digitalisierung hat zu einer markanten Zunahme des E-Commerce geführt, und für jeden versendeten Artikel ist eine mehrlagige Verpackung erforderlich. Allein in Nordamerika werden 95 % aller Produkte in Wellpappkartons versendet, wofür fast 60 Millionen Tonnen Pappe benötigt werden.

Ein weiterer Faktor, der vom Verbraucher gern als selbstverständlich angesehen wird, ist die enorme Zunahme von Papperzeugnissen in der Lebensmittelindustrie. Fertigprodukte werden immer wichtiger und damit auch das Potenzial ihrer Papierverpackung als Marketing-Tool. Auch das wachsende Umweltbewusstsein führt zu einer Umstellung von Kunststoff- auf Papierverpackungen.

Das Recycling der Zukunft

In einer so weitverbreiteten Branche wie der Papierindustrie überrascht es nicht, dass Nachhaltigkeit zu einem wachsenden Anliegen wird. „Zeitungspapier wird heute aus alten Zeitungen und Zeitschriften hergestellt“, erklärt Outi Kukkamaki. „Fast alle Fabriken in Europa verwenden zu 100 % recycelte Fasern, sodass man an einer Recyclinganlage beobachten kann, wie die Zeitung von gestern zu jener von morgen wird.“

Man könnte sagen, Papier ist wie ein guter Freund – es kommt immer wieder zu dir zurück. Die recycelte Faser hat die mechanische Faser bei der Herstellung von Zeitungspapier dank ihrer hohen Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit weitestgehend ersetzt.

„Um aus Holz Fasern zu gewinnen, benötigt man sehr viel Energie“, so Outi Kukkamaki. Für den Prozess sind eine verlässliche Holzquelle und immense Mengen an Strom unabdingbar. Wenn Sie in Finnland in einer Stadt mit einer Papierfabrik wohnen, gehen die Lichter schon einmal für einen Moment aus, wenn die Fabrik hochfährt. Eine dieser Anlagen verbraucht in einer Stunde mehr Energie als ein Haushalt im ganzen Jahr.

Kartons für Verpackungen bestehen entweder aus Primärfasern (für Primärverpackung) oder recyceltem Material (für Sekundärverpackung). Die Primärverpackung, in der die Produkte verkauft werden, besteht hauptsächlich aus Primärfasern, da Bedruckbarkeit und die optische Erscheinung eine wichtige Rolle spielen. Wellpappenrohpapier hingegen besteht hauptsächlich aus recyceltem, faserbasiertem Material und wird als Sekundärver­packung zum Schutz beim Versenden verwendet. Der Trend geht aus wirtschaftlichen Gründen wie auch zum verbesserten Schutz, zu leichteren, nachhaltigeren und widerstandsfähigeren Verpackungen.

Kürzlich gab es einen sehr wichtigen Durchbruch in puncto Pappe für Becher. Ist Ihnen z.B. bewusst, dass der Becher für Ihren „Coffee to go“ eine Menge Kunststoff enthält, um in Form zu bleiben? Nun, das ändert sich jetzt. Es wurde ein neuer Prozess ohne Kunststoff entwickelt, mit dem der Becher zu 100 % recycelbar wird.

Toilettenpapier: eine Rolle Luxus oder Notwendigkeit?

Ein selten beachteter Bereich der Branche ist Hygienepapier. In Westeuropa werden jährlich über 20 Milliarden Rollen Toilettenpapier benötigt, was der vermeintlich „aussterbenden“ Branche ca. 10 Milliarden Euro beschert.

In der Vergangenheit hing die Verwendung von Hygieneartikeln stark vom Einkommen ab, so verwendeten reiche Römer in Rosenwasser getränkte Wolle als Toilettenpapier, während das französische Königshaus Spitze bevorzugte. Noch heute gibt es moderne Eliten, die in dem Artikel einen Anlass für Luxus sehen. Beyoncé nutzt z.B. ausschließlich die portugiesische Marke Renova, bei der eine Rolle bis zu drei Dollar kostet und in unterschiedlichen Farben wie Rot, Blau oder seidig-weichem Grün erhältlich ist.

Für die meisten von uns ist Toilettenpapier einfach eine Notwendigkeit, die nicht fehlen darf. So antworteten 49 % der Befragten, dass sie auf eine einsame Insel Toilettenpapier mitnehmen würden, was selbst Lebensmittel übertraf.

Das Papierpotenzial von morgen

Die Papierindustrie, zu der auch Servietten, Küchenpapier und Windeln gehören, wird durch das erhöhte Hygienebewusstsein und die Steigerung des verfügbaren Einkommens in schnell wachsenden Märkten wie China weiter durchstarten.

„Dem Boom werden rasch weitere Entwicklungsländer folgen“, sagt Outi Kukkamaki, „wobei neben Windeln ein exponentielles Wachstum des Marktes für Damenhygieneprodukte zu erwarten ist. In den vergangenen Jahren hat die Stärkung der Frauen durch die Förderung von Menstruationshygiene immer mehr an Bedeutung gewonnen.“

Den Bedürfnissen des Wandels gerecht werden

Habasit ist Marktführer bei Druck- und Veredlungsprozessen und Outi Kukkamaki ist davon überzeugt, dass wir gut positioniert sind, um die Herausforderungen des wandelnden Marktes zu meistern. In der Verpackungsindustrie sind die Bänder von Habasit bei der Schachtelherstellung bereits stark positioniert. Hierzu gehört die komplexe Automatisierung des Klebens, Faltens und Transports der Wellpappe bei höchsten Geschwindigkeiten. Für die schnellen und anspruchsvollen Anwendungen muss jedes Band über einen konstanten Reibwert, Formbeständigkeit und eine hohe Abriebfestigkeit verfügen.

Mit Elastomer beschichtete Prozessbänder eignen sich ideal für den Transport empfindlicher Materialien wie Hygienepapier.

„Toilettenpapier ist bei der Verarbeitung sehr empfindlich“, so Outi Kukkamaki. „Die Bänder müssen qualitativ hochwertig sein und über eine äußerst schonende Haftung verfügen, damit das Papier nicht beschädigt wird.“

Die Anforderungen an die Bänder sind so vielfältig wie die Anwendungsmöglichkeiten des Papiers, und Habasit hat die Lösung, um sie alle zu erfüllen. Fern von einer aussterbenden Branche bleibt Papier für jeden von uns ein wichtiger Rohstoff und wird so bald nicht verschwinden. (ST)

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